Rückenschmerzen? Tipps von Ingrid Glötzner
Schmerzende Bewegungen
„Rückenschmerzen sind ein Warnsignal, welches wir ernst nehmen sollten. Das gilt ganz besonders dann, wenn man ein rückenbelastendes Hobby hat oder einen entsprechenden Beruf ausübt. Daher sind Sportarten wie Tennis, Skifahren oder Fußball in akuten Phasen - auch wenn der Verzicht schwer fällt - tabu! Sich aber möglichst wenig zu bewegen und schmerzfreie Schonhaltungen einzunehmen, ist auch keine Lösung. Im Gegenteil: Sie lassen die Rückenmuskulatur erschlaffen und den Schmerz noch verstärken. Die richtige Balance zu finden, ist also gar nicht so einfach. Grundsätzlich sollte man sich aber nicht in den Schmerz hineinbewegen, weil sonst noch mehr Stress auf den betroffenen Bereich ausgeübt wird und es verstärkt zu Reizungen kommen kann. Besser man bewegt und streckt sich so, dass die Bewegungen gerade noch schmerzfrei sind. Mit regelmäßigen Übungen kann dann die Toleranzgrenze immer weiter hinaus geschoben werden, bis die Beweglichkeit weitestgehend wieder schmerzfrei ist.“
Treppensteigen
„Zwar ist die Bewegung nicht schädlich für den Rücken, doch vor allem ältere Menschen sind häufiger sturzgefährdet. Das kann gerade auf der Treppe fatale Folgen haben. Um Treppen bewältigen zu können, benötigt man Kraft in den Beinen, die man gezielt trainieren kann. Ich empfehle, dies in andere Übungsprogramme - zum Beispiel in eine Rückengymnastik oder ein Herz-Kreislauf-Training - zu integrieren.“
Sturzfallen in der Wohnung
„Die berühmte Teppichkante kann zu schweren Sturzunfällen führen. Normalerweise macht der Mensch bei einem Stolperer einen ausgleichenden Stellschritt mit dem anderen Fuß, um einen Sturz zu verhindern. Patienten mit Rückenleiden sind aber häufig nicht beweglich genug, um entsprechend schnell zu reagieren. Kommen weitere Erkrankungen wie Diabetes, Parkinson oder Wassereinlagerungen in den Beinen hinzu, fehlt auch die notwendige Kraft für den beherzten Stellschritt. Daher: Stolperfallen wie Teppich-Läufer aus der Wohnung entfernen!“
Rückengerechtes Bett
„Die beste Matraze allein kann akute Rückenschmerzen nicht heilen. Aber sie kann langfristig helfen, dass sie nicht wiederkehren. Vorausgesetzt, sie hat einen nicht schon das halbe Leben begleitet und ist nicht durchgelegen. Die Faustregel lautet: Alle zehn Jahre spätestens sollte eine neue Matraze angeschafft werden. Außerdem sind viele Betten zu niedrig, so dass es Probleme beim Aufstehen gibt. Am besten man wählt ein hohes Gestell. Ansonsten kann auch ein Lattenrost Abhilfe schaffen, welcher elektrisch verstellbar ist. Schließlich fällt das Aufstehen leichter, wenn man schon aufrecht im Bett sitzt. Oder man kann sich auch einen so genannten „Galgen“ von einer Reha-Firma oder einem Sanitätshaus an das Bett montieren lassen, aus dem man sich wie in einem Krankenhausbett hochziehen kann. Ich empfehle, mit dem Hausarzt zu sprechen, ob er solche Hilfen verschreiben kann.“
Schlaf bei akuten Schmerzen
„Bei akuten Schmerzen liegt man entweder auf der Seite, in der Stufenlagerung oder einfach so, wie es einem gut tut. Zur Stufenlagerung kann man sich beispielsweise die Sofasitzkissen oder einen Koffer so in das Bett legen, dass die Waden bei rechtwinkelig angewinkelten Knien auf der erhöhten Unterlage liegen. Manchmal hilft auch ein gerolltes Handtuch im Kreuz. Wenn möglich, sollte häufig die Liegeposition verändert werden.“
Rückengerechter Haushalt
„Alles, was mit Hinsetzen zu tun hat, macht Probleme - beim Herunter- wie auch beim wieder Hochkommen. Am leichtesten fällt beides, wenn man nicht so tief sitzen muss. Für die Toilette gibt es spezielle Aufsätze im Sanitätsfachhandel und der Lieblingssessel lässt sich mit Kissen unterfüttern. Auf Wannenbäder sollte man lieber verzichten und stattdessen die Dusche nehmen. Hausarbeiten wie den Geschirrspüler-Einräumen bitte im Hocken ausführen und wenn die Spüle zu tief ist, in einer erhöht gestellten Schüssel den Abwasch machen. Das Bügelbrett sollte so hoch eingestellt werden, dass sich die Fläche etwa 15 Zentimeter unterhalb des Ellenbogens befindet. Zur Entlastung kann auch ein Stehstuhl verwendet werden. Und beim Putzen gilt: Nicht in gebückter Haltung und nur schmerzfreie Bewegungen ausführen.“
Autofahren
„Wer Rückenschmerzen hat, weiß: Autofahren beginnt schon mit dem Einsteigen. Eine Methode ist, sich auf den möglichst weit nach hinten geschobenen Sitz zu setzen, beide Hände auf die Oberschenkel zu legen und dann den Oberkörper mit beiden Beinen gleichzeitig in den Wagen zu drehen. Der Sitz sollte dann in Höhe und Entfernung vom Steuer so eingestellt sein, dass die Oberschenkel eine Waagerechte bilden und die Knie und Arme leicht angewinkelt sind. Der obere Rücken ist gegen die Rückenlehne gelehnt, die Lendenwirbelsäule wird gegebenenfalls von einem Kissen gestützt. Während des Fahrens kann man sich dann immer einmal wieder im Wechsel aktiv aufrichten und locker lassen. Möglicherweise entlastet den einen oder anderen auch das Ablegen des Arms auf der Fensterkante oder der Armlehne. Bei längeren Fahrten rate ich zu kurzen Pausen mit ein wenig Bewegung außerhalb des Autos.“
Gehhilfen
„Rollatoren können bei Rückenbeschwerden durchaus eine Erleichterung im Alltag sein. Allerdings schämen sich viele Menschen, diese zu nutzen, weil sie sich nicht als alt und hinfällig stigmatisieren lassen wollen. Eine Alternative sind daher ein oder zwei moderne Gehstöcke (Nordic Walking) - Hauptsache es wird eine Gehhilfe benutzt, denn gerade bei älteren Patienten ist die Sicherheit sehr wichtig.“
Narben
„Narbengewebe hat die Tendenz, sich zusammen zu ziehen. Auf diese Weise kann im Verlauf der Jahre eine Narbe im Bauch-, Rücken- oder Unterleibsbereich zu Verwachsungen führen. Die Folge davon ist zu viel Spannung im Gewebe - was zu Schmerzen in den Gelenken und eben auch Rückenschmerzen führen kann. Die Narben sollten daher frühzeitig mit einer Salbe behandelt werden, und auch der Therapeut sollte dieses Thema nicht außer Acht lassen.“
Ingrid Glötzner ist Physiotherapeutin in der Wolfart Klinik München
Jeden Tag der Woche dem Rücken etwas Gutes tunRückenübungen vom Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK) e. V.Fragebogen für Ihren Arztbesuch
